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Make-Up

Beauty Warum wir uns schminken

Warum wir uns schminken

Das Bad wird immer mehr zum Naherholungsgebiet. Rund 45 Minuten investieren deutsche Frauen täglich in ihr Schönheitsprogramm. Soziologen haben sie beim Schminken durch den Spiegel gefilmt – und beobachtet, dass sich ihre Minen mit der aufgelegten Pigmentanzahl zusehends aufhellen. „Make-up kann sowohl Stress reduzieren als auch das Wohlbefinden verstärken“, weiß Rodolphe Korichi, der eine psychologische Studie in Auftrag gegeben hat. Der Manager für Forschung und Entwicklung beim Luxuskonzern LVMH (u. a. Dior, Guerlain, Givenchy): „Make- up ist alles andere als eine oberflächliche Angelegenheit.“

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Mit Make-up ein Zeichen setzen

Niemand macht sich nur schön für sich selbst. Sich-schön-Machen heißt Zeichen setzen und zielt auf die Blicke der anderen. Make-up kann ein Lockmittel sein – und ist in jedem Fall Kommunikation. „Ich lasse mich nicht unterkriegen“, schrie der rote Lippenstift von Zara Murtazalieva, die neun Jahre schuldlos in einem russischen Arbeitslager gefangen war. Make-up stärkte ihren Überlebenswillen und half gegen Demütigungen. Wer sich gehen lässt, ergibt sich. Wer Haltung bewahrt, macht sich und anderen Mut. Ein geschminktes Gesicht kann Widerstand oder Anpassung bedeuten. Die Botschaften wechseln mit den Umständen. „In den 1920ern galt Nagellack als frivol, in den 60ern als adrett, in den 70ern gehörte er zum Tussi-Look, und heute signalisiert er Selbstbewusstsein und hat Feministinnen-Reife erlangt“, so Rodolphe Korichi.

Der Look soll Frische ausstrahlen

Präziser Lidstrich, getuschte Wimpern, glänzend aufgelegter Gloss und ein rosiges Rouge auf den Wangen – mit Make-up verändern wir unsere Wirkung auf andere, unser Gefühl für uns selbst, und das tut uns off ensichtlich gut – auch in unserem relativ krisenfreien, geschützten Alltag. „Frauen schminken sich, weil sie frischer und gesünder aussehen, ihre Vorzüge akzentuieren oder Makel kaschieren wollen. Das hat viel damit zu tun, dass wir in unserem sozialen Umfeld über unsere Attraktivität defi niert und wahrgenommen werden“, sagt der Soziologe Professor Ulrich Rosar von der Universität Düsseldorf.

Stimmungen mit Farben ausdrücken

Mal provozieren, mal Harmonie versprühen, mal natürlich sein … Farben machen Stimmungen sichtbar. Rote Lippen sind ein einziges Versprechen – auf den ersten Blick. Sie können aber auch kühle Distanz schaffen. Knalliges Pink sendet eine andere Botschaft: „Ich traue mich was.“ Liegt der Fokus auf den Augen, nehmen uns die anderen als erotischer und leidenschaftlicher wahr. Besonders anziehend nach Einbruch der Dunkelheit: Smokey Eyes, die unserem Blick einen geheimnisvollen Touch geben. Weißer Kajalstift vergrößert die Augen optisch und weckt bei Männern den Beschützerinstinkt. Vorsicht vor Übertreibungen: Übermalte Lippen, Fliegenbeine aus Mascara, zu dunkle CamouflageFoundation oder Blockrouge kommen als unauthentisch rüber. Dabei steckt hinter einer Makeup-Mauer oft eine nette, aber unsichere Frau. Wer den Nude-Look pflegt oder ganz auf Schminke verzichtet, wirkt auf andere ehrlich – oder aber gestresst und nachlässig. Ausschlaggebend ist dann das Gesamtbild. Am unehrlichsten ist in Wirklichkeit der No-Make-up-Look, der mit diversen Tönen ein ungeschminktes Bild vorgaukelt.

Ein Boom der dekorativen Kosmetik

Fakt ist, dass Frauen in Deutschland noch nie so viel Geld für dekorative Kosmetik ausgegeben haben wie heute. Seit 2012 hat sich der Umsatz um 25 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro erhöht. Umfragen des VKE (Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse) zeigen, dass sich Frauen nicht nur mehr, sondern auch öfter schminken. Allein bei Mascara stieg der Anteil der Frauen, die täglich tuschen, von 39 auf 50 Prozent. Und natürlich sind die Werte in der jungen Altersgruppe unnatürlich hoch, denn nie wird so viel mit Farben und Texturen experimentiert wie in Teenager-Zeiten. Haben wir unseren Stil gefunden, lassen wir uns nicht mehr von jedem neuen Produkt verführen. Wir werden irgendwann sogar lässiger – und tragen statt acht Lippenstiften nur noch zwei mit uns in der Handtasche rum. Und das steht uns auch gut.

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