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Familie

Trennung mit Kind Was das Umgangsrecht regelt

Umgangsrecht Trennung mit Kind

Trennung mit Kind: Jetzt muss das Umgangsrecht geregelt werden

Über zwei Millionen Kinder sollen hierzulande bei nur einem Elternteil leben – ob frisch getrennt oder schon länger getrennt lebend: Kinder müssen an Feiertagen pendeln, wenn Mama und Papa nicht mehr zusammen leben möchten. Wann, wie, wo und mit wem die Kinder dann die Festtage und Ferien verbringen, führt leider häufig zu Streit. Nicht selten mischen sich noch andere Familienmitglieder ein, was die Situation für die Kinder noch belastender macht. Grundsätzlich müssen sich Eltern bei einer Trennung mit Kind entscheiden, bei wem es künftig seinen Lebensmittelpunkt haben soll. Davon getrennt gibt es aber noch das sogenannte Umgangsrecht. Häufigste Praxis ist, dass die Kinder unter der Woche bei einem Elternteil bleiben, die Wochenenden oder jedes zweite bei dem anderen Elternteil. Wie man Alltag und auch Ausnahmetage grundsätzlich regelt, erklären die beiden Fachanwälte für Familienrecht.

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Die Eltern trennen sich. Wodurch wird geregelt, bei wem die Kinder wie oft sind?

RA Hasselbach: “Das Kind hat ein Recht darauf, mit beiden Eltern Zeit zu verbringen, unabhängig davon, wer das Sorgerecht innehat. Der nicht betreuende Elternteil ist ebenso zum Umgang berechtigt. Also geht es beim Umgangsrecht um das Besuchsrecht und die Pflicht meist desjenigen, bei dem das Kind normalerweise nicht lebt.“ 

Wie kommen Eltern bei einer Trennung zu so einer Regelung, wenn es keine gütliche Einigung gibt?

RA Üstün: „Besser ist immer, die Vereinbarungen gleich zu Beginn schriftlich festzuhalten. Bei Unstimmigkeiten hilft ein gemeinsam verfasstes Dokument, sich zu erinnern und womöglich die Emotionen nicht unnötig hoch kochen zu lassen." Hier finden Sie eine kostenlose Vorlage für eine schriftliche Regelung des Umgangsrechts.

Weihnachten steht vor der Tür – wo feiern die Kinder?

RA Hasselbach: In der Regel verbringen Kinder Weihnachten bei einem Elternteil, Silvester dann beim anderen, und im Folgejahr wird getauscht. Aber auch andere Varianten sind denkbar. Empfohlen sind daher tageweise Regelungen. Wichtig ist, Unruhe und unnötige Strapazen für die Kinder zu vermeiden.  

Und wo bleiben die Kinder den Rest der Ferien?

RA Üstün: Grundsätzlich haben die Eltern ein Recht auf Umgang während eines Teils der Ferien, ein Wechsel während der Schul- oder Kindergartenferien bietet sich also an. Die Ferientermine des Bundeslands, in dem die Kinder leben, haben dabei eine entscheidende Bedeutung. 

Betrifft das Umgangsrecht auch andere Personen als die Eltern?

RA Hasselbach: Alle wichtigen Bezugspersonen, familiär oder nicht, haben ein Umgangsrecht mit dem Kind – wenn es zu dessem Wohle ist. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass dies vor allem auf die Großeltern zutrifft. Eltern dürfen ihnen daher nicht einfach den Umgang mit ihrem Enkelkind verwähren. Aber: „Ob der Umgang mit den Großeltern dem Wohl des Kindes dient, hängt oft davon ab, wie zerstritten die Eltern sind. Manchmal gehen damit Konflikte für das Kind einher, die eher zu zusätzlichem Stress führen. Ein Gericht würde dann in der Regel gegen das Umgangsrecht der Großeltern entscheiden.“  Die Großeltnern müssen sich auf jeden Fall an die Vorgaben der Eltern halten.
 
Dürfen Kinder eigentlich beim Umgangsrecht mitbestimmen?

RA Üstün: „Der Wille des Kindes nimmt mit zunehmendem Alter des Kindes zu. Bei allen Regelungen des Umgangsrechts geht es in erster Linie darum, was das Beste für das Kind ist. Dennoch sollte man auch auf die Realisierbarkeiten ein Auge werfen, vor allem auf freie Zeiten der beispielsweise in drei Schichten arbeitenden Elternteile. Man kann nicht nur nach dem Wunsch der Kinder handeln bzw. agieren.“

Bungeejumpen oder Südamerika-Reise – wer entscheidet, was geht?

RA Hasselbach: Ausflüge oder Besuche bei Oma und Opa fallen laut Hasselbach unter „Angelegenheiten des täglichen Lebens“ – sie müssen nicht extra abgesprochen werden, ebenso wie gängige Urlaubsreisen innerhalb der EU und den üblichen sicheren Urlaubsländern. Flugreisen in ferne Länder oder Risiko-Unternehmungen mit einem Kleinkind sind jedoch nicht im Alleingang möglich. „Gerichte werten solche Unternehmungen als 'Angelegenheit von erheblicher Bedeutung', über die die Eltern gemeinsam entscheiden müssen“.  
 
Die Eltern können sich nicht einigen – wer hilft im Streitfall?

Es besteht keine Anwaltspflicht bei der Regelung des Umgangsrechts. Bevor es gleich vor Gericht geht: Helfen bei Streitig- und Uneinigkeiten können das zuständige örtliche Jugendamt, eine Familienmediation oder der Besuch bei einem Fachanwalt für Familienrecht. Werden sich die Parteien gar nicht einig, muss das Familiengericht eingeschaltet werden. Dann treffen Richter die Entscheidung, wer das Kind wann, wie lange unter welchen Umständen sehen darf. 

Die Experten

RA Franziska Hasselbach

Rechtsanwältin Franziska Hasselbach, Fachanwältin für Familienrecht in Köln. 

RA Mustafa Üstün

Rechtsanwalt Mustafa Üstün, Fachanwalt für Familienrecht in Kassel.

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Schlagworte
Eltern | Familie | Feiertage | Ratgeber | Trennung